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Fototermin für diese Felsentempel. Hinaufgehen, um Diese zu begehen, war nicht gestattet. Also sahen wir zunächst ins Theater. Eine geordnete Steinwüste würden wir heute sagen, imposant allemal. 26 Sitzreihen boten Platz für über 10.000 Zuschauer. Der Zustand der Anlage war sicherheitstechnisch nicht bedenklich, nur brutal unvollkommen, eben so, wie es die Natur übriggelassen hatte. Wir kennen in Europa zahlreiche Rekonstruktionen sehr alter Baulichkeiten für eine moderne Nutzung unter historischen Gegebenheiten - in der Türkei hätte ich mir ein Theater vorgestellt, welches vollständig rekonstruiert in alter Schönheit für Veranstaltungen zur Verfügung steht. Nur Aspendos ist dort schon sehr nahe dran, aber auch nur eine Ruine!
Canan hatte ein beachtliches und fundiertes Wissen, was sie uns anschaulich und mit imposanter Artikulation in einem Dauerfeuer von fast einer Stunde bot. Es war interessant - aber weit zu viel. Das passte in einer so kurzen Zeit, und geballt hervorgebracht, nicht einmal in das Gehirn eines unter Dauerdruck stehenden Wissenschaftlers. Eine DVD dieses Urlaubs veranschaulicht diese (und weitere) Vorträge anschaulich. Hier zeigte sich deutlich, dass Rhetorik und Wissen allein nicht helfen konnten, wenn der Gast es nicht verstand oder ihm zu viel war. Das Meiste nehmen die Urlauber bei Führungen nur in populären Sätzen und Gleichnissen auf und könnten es so auch behalten.
Ein unglaublicher Steinschatz lag da vor uns (man sagte auch: die Türkei sei “steinreich”), das Theater war noch recht gut erhalten, die Zugänge waren aber, wie die antike Stadt Myra, durch viele Erdbeben stark beschädigt oder zerstört. Kostbarkeiten der Steinmetzarbeiten und der Baumeister lagen vor uns, die Verarbeitung der Säulen, Figuren, Friesen und vielen Ornamenten war beeindruckend schön anzusehen.
Die Blüte der Stadt war ca. vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 1. Jh. n. Chr., dokumentiert durch Aufzeichnungen des Schriftsteller Plynius. Die lykischen Felsengräber wurden durch die Entschlüsselung der Inschriften auf das 5. Jh. v. Chr. eingestuft. Die antike Stadt Myra bestand im Wesentlichen aus der Meeresnekropole und der Flussnekropole, die durch einen ca. 20 km langen Kanal (Flussbett) verbunden waren. Fast mittig erhob sich hoch über der Stadt (fast 300 m) die Akropolis (die obere Burg) - für uns aber nicht im Besuchs-Programm. Myra war im 5. Jh. n.Chr. Hauptstadt Lykiens, der prächtige Tempel war Ephesos ebenbürtig.
Während ich noch dem Gesang des Muezzin lauschte (durch die Felsen gab es eine sagenhafte Akustik), war die Gruppe schon zum Bus gegangen. So fiel der Besuch der Felsengräber aus, mich hätte schon interessiert, was dort an Inschriften noch vorhanden war. Aber eines konnte ich bewundern, Gewächshäuser bis an die antiken Steintrümmer, sonderbar Modernes ohne Umgebungsschutz an die historischen Überreste vergangener Zeiten - brutal, ohne Nachdenken ... na ja - es geht auch.
Nach kurzer Busfahrt kamen wir zur Kirche des Hl. Nikolaus, die zweite Sehenswürdigkeit der Stadt.
Zunächst vermutet man ca. 6 m unter dem Stadtniveau kein derartiges Bauwerk, doch die Erdbeben und Überflutungen der letzten Jahrhunderte haben die Kirche zugeschüttet. Erst in den letzten drei Jahrhunderten bemühten sich viele Nationen um die Ausgrabung dieses Areals. Die Geschichte des hl. Nikolaus geht auf das 4. Jh. zurück, als er hier als Bischof diente. Im 5. Jh. wurde nach seinem Tode eine Basilika errichtet, die im 8. Jh. durch Naturereignisse zerstört und im 9. Jh als Kuppelkirche wieder errichtet wurde. Im 11. Jh. erweitert und wiederum teilweise verschüttet, wurde Diese im 19. Jh. durch Russen nicht ganz sachgerecht rekonstruiert, das alte Tonnengewölbe wurde zum Kuppelgewölbe, was historisch nicht belegt war. Die Gebeine des hl. Nikolaus aus dem Sarkophag wurden von Italienern gestohlen und in ihrem Heimatort, Wallfahrer lockend, zur Vermarktung genutzt. In der hiesigen Kirche wird die Gruft mit Glaswand - aber leer - gezeigt. Historische Mosaiken und Gemälde zeigen den früheren Reichtum dieser Kirche, für den Besucher heute ist sie aber eine riesige Baustelle mit wertvollen antiken Bezügen.
Nach so intensiver Kultur saßen wir noch etwas benommen im Bus, die Fahrt ging weiter nach Westen. Am Nachmittag erreichten wir die Stadt Kas(ch). Oberhalb der Häuser hielt der Bus. Es war nicht zu glauben, die Insel ca. 5 km vor uns war schon Griechenland! Erst als wir durch diese fast englisch sprechende Stadt (so viele Urlauber und Hausbesitzer aus UK sind hier) durchgefahren und die Uferstraße wieder erreicht hatten, öffnete sich uns ein bezaubernder Blick auf die am Hang liegende Stadt. Unserem Ufer gegenüber ging eine kleine Straße auf eine Halbinsel, der Zwischenraum war von einer große Meeresbucht gefüllt. Je weiter wir nach Westen fuhren, wurde die Landzunge gegenüber immer bewohnter, bis sich an deren Westspitze eine große Stadt zwischen Berg und Meer erstreckte. Es war ein Anblick wie im Bilderbuch, wie in den Prospekten der Urlaubsvermittler. Auf unserer Seite begann der Bus immer mehr Buchten zu durchfahren, die fjordähnlich tief in das Bergland eingeschnitten waren. Die Uferstraße war zwar ausgebaut, aber an vielen Stellen sehr eng an den Felsen geschmiegt und steile Kehren, die in den Felsen gesprengt waren, zwangen den Busfahrer hier langsam zu fahren und das Lenkrad gewaltig schnell zu bewegen. Genauso war es kurz danach, wenn wir aus der einen Bucht herauskamen und über eine Steilkurve wieder in die Nächste hineinfuhren. Die Mini-Badestrände waren nur vereinzelt am Fjordende zu finden, sonst war überall steile Felsenküste mit tiefem und ganz klarem smaragdblauem Meerwasser. Ein Naturschauspiel der besten Klasse, leider ohne Fotohalt, also Fotos vom fahrenden Bus aus und deshalb nicht so gut..
Nach anfänglichen Intensivreden unserer Reiseleiterin Canan auf den ersten Buskilometern und in Myra,  hörten wir ihre deutsche und türkische Jugend- und Früherwachsenen-Geschichte sowie ihre ausführlichen Darlegungen zum türkischen Bewusstsein, ihrer Staatsverbundenheit und ihre aufwändige Ausbildung zur fast besten Reiseleiterin der Türkei. Beim Genuss der Aussichten auf die Meeresregionen der lykischen Küste trat wohltuende Ruhe ein, so dass der Anblick dieser wunderschönen Natur gut tat - Canan machte eine Vortragspause, da sie telefonierte. Sie betonte, dass Dieses die wichtigste Arbeit der Reiseleiter war, denn wenn wir uns ausruhten, hätte sie die verantwortungsvolle Aufgabe der Reise-Organisation. Und, und, und ...
Die Straße stieg am Felsen wieder einmal an und plötzlich machten wir eine Pause. Wir waren bei Kaputas(ch) - einem der zehn weltbesten Strände. Na ja - die anderen Neun kenne ich kaum, aber der hier war zwar landschaftlich schön, aber das anspruchsvolle Prädikat hätte ich ihm nicht verleihen können. Der Sandstrand war kurz und eine idyllische “Insel” in der felsigen Steilküstenwelt. Eine gewaltige und enge Felsenschlucht bringt bei Regen einiges Wasser schäumend zum Meer, aber das passiert nur in zwei Monaten im Jahr, also genauer, im Winter. 10 Monate regnete es in dieser Region selten und im Sommer waren öfter 50 °C. Dass sich hier in Kaputas(ch) internationale Stars gern vor der Kamera zeigten, war bei dieser Naturkulisse nicht verwunderlich - aber musste es dadurch gleich der zehntbeste Strand sein?
Hier war eine Station der Jandarma (Polizei) - wir hatten uns schon gewundert, denn im Gegensatz zu den Stränden der Riviera sahen wir bisher wenig Uniformierte. Canan erklärte uns unter Anderem, dass diese Gendarmen im Land sehr beliebt seien. Dort wo sie sich aufhalten und Dienst tun, herrschte immer Ordnung. Das galt auch für die Regierung: wird Diese schlampig, tritt die Armee auf und bringt wieder Ruhe und Disziplin im Interesse des Volkes. Eine gut gepolte Militärallianz - in Europa kaum denkbar. Unsere Canan meinte auch, dass die Tendenz in der Türkei von Europa weit weg geht - waren es voriges Jahr über 70 % der türkischen Bevölkerung, so stimmten dieses Jahr nur noch weniger als 50 % für die EU. Sie war auch gegen die EU und wollte es uns später erklären - aber irgendwie war das ausgefallen, jedenfalls hat es niemand von uns gehört. Ihre Meinung hätte uns schon interessiert, noch dazu, da sie sich türkisch national gab. Wir sahen es aber von vornherein als günstig an, während des Urlaubs über solche Grundsatzfragen nicht zu sprechen. Für sie waren die Türkenzüge des Sulaiman nur ein Nachgeben des Dranges der Bewegung der Nomaden. Das war dann für uns schon starker Tobak. Für Canan waren ausgetrocknete
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