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Urlaub in Südtirol 2010     Reisebericht  
Wir mussten uns in Österreich bei jedem Dialekt um Verständigung bemühen und konzentrierter zuhören. Deshalb sind verschiedene Aussprachen ein kleineres Problem. Wir staunten nicht schlecht, das Oberösterreicher weit größere Probleme mit Vorarlbergisch oder Tirolerisch hatten, als wir. Da nun in Südtirol jährlich fast 25 Millionen Deutsche, ja insgesamt über 40 Millionen Menschen, Urlaub machten, gab es überhaupt keine Verständigungsprobleme.
Am nächsten Tag wollten wir uns in Algund umschauen und das Tourismusbüro besuchen, um uns mit allen notwendigen Informationen, Karten, Prospekten und Angeboten auszurüsten. Und da gab es mehr als genug! Den für Nachmittag geplanten Besuch der Brauerei “Forst” mussten wir um einen Tag verschieben, da die Führung bereits hoffnungslos überbucht war. Es gab also am Folgetag noch eine nicht geplante Sonderführung, worüber wir uns freuten. Und noch eine Sensation: für 7 Tage gab es eine Buskarte für insgesamt 7,- €. Damit konnten wir alle Linien der Region fast gratis benutzen - und es stellte sich später heraus, dass das der Hit war - ca. 100 km Fahrt für 1,- €  (kein Kommentar) Nach einem Einkauf im Supermarkt zu erstaunlich vernünftigen Preisen gingen wir in unser Quartier.
Unsere Ferienwohnung war in einem echten Tiroler Haus, im Obergeschoss, welches vorwiegend mit Holz verkleidet war. Die Wohnung war größer, als unsere Gmundner Wohnung, also sehr viel Platz für zwei Personen, bis fünf Personen ausreichend möbliert. Der Lieblingsplatz war der Balkon, jeden Morgen zum Frühstück und abends bis zum Schlafen gehen bei meist 23 bis 28°C.
Wir unternahmen einen schönen Abendspaziergang zum Algunder Waalweg. Der Abschnitt an und um Algund war unser heutiges Ziel, eine Runde von 15 km. Fast die Hälfte davon zog sich bequem, da fast eben, am Berghang ca. 100 m über Algund dahin. Die Waale sind künstliche Bewässerungskanäle, die erstmals im 13. Jh. angelegt wurden, um die trockenen Böden der Plantagen ohne größeren Kostenaufwand bewässern zu können. Von den in 1935 noch erhaltenen ursprünglich 1.000 km sind heute noch ca. 200 km in Betrieb, haben aber aufgrund der modernen Berieselungssystemen keine so große Bedeutung mehr, werden aber wir früher benutzt. Sehr aufwändig war der Bau und noch mehr die Wartung dieser Kanäle. Der Beruf des Waalers ist ausgestorben. Er hatte die Wartung und Säuberung der Kanäle und die Bedienung der Metallschieber zur abzweigenden Bewässerung zu bedienen, die Waalschelle im Lauf des Wassers signalisierte ihm den ordnungsgemäßen Betrieb (Wasserrad mit Läutewerk). Heute sind die zur Wartung erforderlichen Wege sehr schöne Wanderwege mit fantastischen Ausblicken auf die Ortschaften und Plantagen für Wein und Äpfel. Auf den letzten Kilometern gingen wir in den unteren Talregionen entlang der wild fließenden Etsch (immer noch Schmelzwasser der 3.000er Regionen) vorbei am Wasserkraftwerk, welches das starke Flussgefälle zwischen Partschins und Algund zur Energiegewinnung ausnutzt, nach Hause. Am Abend saßen wir noch mit unseren Nachbarn, Ute und Dr. Jürgen aus Heidenau auf dem Balkon zusammen und schwatzten bis früh 2:00 Uhr. Leider hielt unser Lapetop bei der Wiedergabe nicht einmal einer DVD durch, die Grafikkarte vermochte das Video nicht durchweg um zu setzen - das war schade, da wir Griechenland 2009 zeigen wollten.
Der dritte Tag war wieder ein Schöner mit fast 30°C. Vormittags schlenderten Kerstin und ich nach einem gemütlichen Frühstück durch Algund. Kerstin holte täglich in der Früh frische Semmeln und Joghurt vom nahen Bäcker - das hat geschmeckt! Nach dem Besuch wichtiger Orientierungspunkte (Bushaltestellen, Sennerei, Gaststätten, Geschenkeläden usw. trafen wir uns 14:00 Uhr zum Besuch der Brauerei. Es ist die einzige Privatbrauerei in Italien, die ein Produktionsvolumen von 700.000 hl Bier jährlich hat und derzeit umgebaut wird, um ab übernächsten Jahr 900.000 hl Bier erzeugen zu können. (Das sind immerhin 90 Millionen Liter!) Das Bier schmeckte sehr gut, jedoch entspricht es durch den Zusatz von Mais nicht dem deutschen Reinheitsgebot, was uns nicht störte. Die Führung war umfangreich und gratis! Von unserer Reisebegleiterin (-führerin sagt man ja nicht mehr) Christine erfuhren wir sehr anschaulich die Erklärungen zum Produktionsprozess, von der Aufbereitung der Zutaten, über die Sud Herstellung bis zur Lagerung und Reife des Bieres sowie zur Abfüllung in Flaschen und Fässer (mit ca. 2 bar Vordruck) alles, was wir wissen sollten. Die Flaschenabfüllanlage stand zwar im Moment unseres Besuches still und die Fassabfüllanlage hatte eine Generalüberholung, aber im Auslieferungslager ging es sehr aktiv zu - also irgendwie muss ja mal ein Bier abgefüllt worden sein. Tabus zum Filmen und Fotografieren gab es nicht, was den Besuch sehr angenehm machte.
Zum Abschluss gab es einen Gutschein für ein Bier im eigenen Brauereigarten, der nach dem Einlösen durch mich noch um ein Maß Bier auf eigene Rechnung ergänzt wurde. Da viele Urlauber durch diese Werbung sicherlich noch mehrmals im Gastgarten auftauchten, hatte sich diese Werbung sicherlich gelohnt. Ganz bemerkenswert waren die Sozialleistungen der Privatfirma. Alle 150 Angestellten haben einen Job auf Lebenszeit mit allen Lohnerhöhungen, die es gab. Auch gehörte ein Betriebsmittagessen für monatlich 4,50 € dazu - wohlgemerkt: monatlich! Von Deputatbier u.Ä. wollen wir gar nicht weiter berichten, das versteht sich von selbst. Wir sahen eine moderne, saubere und effektive Firma. Nun, die Bierpreise sind auch nicht ohne - für uns war es aber Urlaub. (durchschnittlich 3,80 € für 0,4 l Bier) Es verstand sich von selbst, dass mir auch das mitgebrachte Bier für 0,39 € je 0,5 Liter aus Österreich recht gut schmeckte, wenn wir mal nicht im Gasthaus waren.
Der Donnerstag wurde zu unserem erster Ausflug in die nahen Berge bei Algund. Auf zum Meraner Höhenweg! Unsere Wochenkarte brauchten wir noch nicht, da Start und Ziel jeweils am Sessellift von ital. Lagundo lagen. Es war eine Genussfahrt mit ca. 600 m Höhenunterschied nach Vellau. Der kleine Ort hat sogar eine Autobusverbindung zum Tal, wir fanden die Bahnfahrt aber interessanter. Für Menschen, die die Sessellifte nicht gut kannten, wurde zum Ein- und Absteigen die Fahrt natürlich abgebremst, so dass gar keine Probleme entstanden. Von Vellau bis zur Leiteralm ging es im zweiten Abschnitt noch einmal fast 600 Höhenmeter hinauf auf 1.500 m NN, aber diesmal mit einer Korbbahn. Das hatten wir noch nicht gesehen! Zwei Personen in einem Drahtgitter Korb im Fahrtfluss eines Liftes mit fest angehängten Gondeln. Erst stieg der “Vordermann” ein, 5 m später der Zweite, dann Korbtür zu und ab ging die Fahrt. Es hatte riesigen Spaß gemacht, nur graute Kerstin schon vor dem Ausstieg - aber natürlich ging auch das gut aus, notfalls hätte die Bahn auch angehalten werden können.
Die Leiteralm zeigte sich als beschauliches Almgasthaus, nur war nicht viel los, da die Wanderer hier ihre Touren begannen und kaum jemand einkehrt, zumindest nicht in den Vormittagsstunden. Ab frühen Nachmittag sah das schon anders aus. Auch Urlaub ließe sich hier mit Übernachtung zu recht normalen Preisen machen, aber eine Anmeldung wäre immer sehr sinnvoll. Für Weitwanderer waren hier Übernachtungsstellen, die nachmittags plötzlich völlig überlaufen waren. Der Rundwanderweg um die gesamte Texelgruppe ist 100 km lang, der Meraner Höhenweg als Teil davon immerhin fast 60 km. Da brauchte es einiger Übernachtungen, die zwar vorhanden - aber auch von Jahr zu Jahr mehr in Anspruch genommen wurden. Und der Höhenwanderweg war super, wenn wir auch nur ein kleines Stück mit einer Wegezeit von ca. 1 Std. gelaufen waren. Ausgebaut wie in der Sächsischen Schweiz, nur eben sehr viele Meter höher gelegen. Mit leichtem Gefälle erreichten wir die obere Seilbahnstation der “Hochmuter - Bahn” von Dorf Tirol kommend. Dort machten wir nur kurz Pause und liefen dann wieder leicht absteigend über den Felsenweg nach Vellau, also insgesamt ca. 600 Höhenmeter Abstieg zur Zwischenstation der Lifte.
  Die Etsch war nach der Schneeschmelze ein reißender Fluss
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 Der Waal (Bewässerungskanal) verläuft neben dem Wanderweg
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 Brauerei Forst in alpenländischen Gebäuden will 90 Mill. l Bier lief.
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